// Prof. Dr. Jörg Loth

Reparieren oder investieren? Warum die Finanzdebatte eine neue Perspektive braucht: Prävention.

Die Vorschläge der Finanzkommission Gesundheit kreisen primär um die Frage, wie wir ein immer teurer werdendes System verwalten und dessen Kosten effizienter verteilen. Das ist eine notwendige, aber auch eine verkürzte Debatte. Wir dürfen nicht den Fehler machen, ausschließlich am Symptom – den steigenden Ausgaben – zu laborieren, während die Ursache – die wachsende Krankheitslast in unserer Gesellschaft – weitgehend unbehandelt bleibt.

Ein System, das sich primär als Reparaturbetrieb versteht, wird zwangsläufig an seine finanziellen und personellen Grenzen stoßen. Eine nachhaltige Antwort auf die Zukunftsfähigkeit unserer Gesundheitsversorgung liegt daher in einem konsequenten Paradigmenwechsel: von der reinen Kuration hin zu einer umfassenden, proaktiven Präventionskultur.

Diese Kultur entsteht nicht in Ministerien oder auf dem Papier von Reformkommissionen. Sie wächst und gedeiht vor Ort, in den Lebenswelten der Menschen. Genau hier liegt die Achillesferse einer rein zentralistisch gedachten Finanzreform: Sie übersieht die entscheidende Bedeutung der regionalen Ebene.

Gesundheit wird in den Kommunen, in den Kitas und Schulen gemacht. Hier werden die Weichen für ein gesundes Leben gestellt. Genau dort müssen wir investieren, um spätere Kosten für die Solidargemeinschaft zu vermeiden. Unsere IKK-Pilotkommunen sind der beste Beweis dafür, dass passgenaue, regionale Präventionsstrategien nicht nur die Lebensqualität signifikant verbessern, sondern auch mittel- und langfristig das Gesundheitssystem spürbar entlasten. Solche Initiativen schaffen Gesundheitskompetenz, fördern einen gesunden Lebensstil und stärken den sozialen Zusammenhalt.

Eine ausschließlich auf zentrale Finanzierungsmechanismen und pauschale Einsparungen begrenzte Reform läuft Gefahr, genau diese dezentralen, hochwirksamen Strukturen zu schwächen. Gleichwohl ist es notwendig, aus dem Werkzeugkasten der Finanzkommission kurzfristig eine wirksame Reform zu schmieden.

Deshalb mein Appell im Rahmen des Heidelberger Forums: Wir müssen aufhören, Gesundheit nur auf die Reform des bestehenden Systems zu begrenzen. Echte Zukunftsfähigkeit bedeutet, gezielt in die präventiven Strukturen vor Ort zu investieren – um damit zu erreichen, dass die Menschen nicht, erst später oder weniger schwer erkranken. Lassen Sie uns gemeinsam die Kommunen und Settings stärken, in denen Gesundheit entsteht – lange bevor aus Bürgern Patienten werden.

 

 

Prof. Dr. Jörg Loth, Vorstandsvorsitzender der IKK Südwest

Prof. Dr. Jörg Loth ist Mitglied des Vorstands und Vorstandsvorsitzender der IKK Südwest sowie der IKK Betriebliche Zusatzversorgung eG. Außerdem ist er als Lehrbeauftragter an der Hochschule Fulda und Professor für Ökonomie an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement tätig. Sein Promotionsstudium absolvierte er am Lehrstuhl für Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen. Prof. Dr. Loth engagiert sich außerdem in Wissenschaft und Praxis durch Beirats-, Vorstands- und Kuratoriumstätigkeiten im Gesundheits- und Sozialwesen, u. a. als Vorstandsmitglied Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland e. V.

 

 

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